Sex mit Außerirdischen

9 Jul

Vor ein paar Wochen weilte ich mit dem Fahrrad im schönen Brandenburg auf den Spuren von Theodor Fontane. Ich war schon spät dran, wollte ich noch den Zug ins heimatliche Berlin erreichen. Darum trat ich kräftig in die Pedale. Die Sonne, die mit ihren Sonnenstrahlen meine Seele wärmte und mein Herz erquickte, drohte schon bald am Horizont unterzugehen und mich in undurchdringliche Dunkelheit zu stürzen.

Plötzlich, ich hatte mich bereits aus dem Sattel erhoben, um die nächste Steigung mit möglichst viel Schwung und Elan zu nehmen, ging meinem Hinterreifen die Luft aus. „Scheiße! Verdammtes Drecksteil!“ fluchte ich. Doch es war sofort klar, dass mit heißer Luft allein dieser Schaden nicht zu beheben war. Das pünktliche Erreichen des Zuges konnte ich mittlerweile eh vergessen. Glücklicherweise befand sich in meiner Satteltasche das notwendige Werkzeug und so machte ich mich an das Abschrauben des Rades. Das war zwar schnell getan, doch als ich gerade fertig war musste ich einsehen, dass bei der einsetzenden Dunkelheit an ein finden und flicken des Loches nicht zu denken war. Mich schon gerade mit dem Gedanken abfindend mein Fahrrad zum Bahnhof schieben zu müssen, bemerkte ich in einiger Entfernung auf der Landstraße ein Licht, welches sich mir rasant näherte. Ein Glück dachte ich noch, die können mich vielleicht mitnehmen, als ich im nächsten Moment von Müdigkeit übermannt zusammensackte.

Ich erwachte ohne irgendeine Orientierung oder ein Gefühl zu haben wie viel Zeit vergangen war, in einem abgedunkelten Raum. Panik ergriff Besitz von mir. Wer hatte mich entführt? Was wollten die von mir? Schoß es mir durch den Kopf. Ok. Ein paar meiner Bücher aus der Bibliothek waren schon ein paar Jahre überfällig. Aber ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die deswegen gleich so überreagieren würden. Zudem, wenn mich diese süße Bibliotheksmaus  jetzt entführt hätte, um mich zu ihrem willenlosen Sexsklaven zu machen, hätte ich gar nicht mal so viel dagegen gehabt, bemerkte ich mit einem Schmunzeln.

Während ich so meinen konfusen Gedankengängen nachging und ganz froh war dadurch etwas abgelenkt zu sein, öffnete sich eine Tür die mir bisher gar nicht aufgefallen war. Der abgedunkelte Raum wurde plötzlich von gleißendem Licht, das mich für einen Moment blendete erfüllt und ich wurde einem fremdartigen weiblichen Wesen gewahr, welches sich wankend auf mich zubewegte. Jetzt erst bemerkte ich welch riesigen Ausmaße der Raum in dem ich gefangen gehalten wurde hatte. Das Wesen welches sich stetig auf mich zubewegte, hatte eindeutig Ähnlichkeit mit einem Känguru, auch wenn es kein Fell hatte und von bläulicher Farbe war. Ob es wohl nach Schlumpfeis schmeckte?

Da ich keinen Weg zur Flucht sah und auch keine Gegenstände zu meiner Verteidigung in näherer Umgebung sichtbar waren, ermannte ich mich und wartete bis das Wesen vollends herangetreten war. Als es auf wenige Schritte nah war, verschränkte es die Arme und sprach es mit einer zarten engelsgleichen Stimme: „Du hast deine Bücher nicht rechtzeitig zurückgegeben!“ Ich war verwirrt, die Bibliotheksschnecke hatte ich irgendwie anders in Erinnerung. „Kleiner Spaß! „Sagte da das Wesen mit einem Lachen. „Wir haben nur vorhin deine Gedanken gelesen und haben gehört, dass Humor beim flirten sehr wichtig ist.“ „Wieso willst du denn mit mir flirten? Ick gloobe ja kaum das wir Zwei zusammenpassen…also so rein körperlich verstehste…kommt ja ooch uffn Charakter an und so.“ erwiderte ich. „Das können wir ja ändern, ich habe hier ein Gerät mit dem du mein Aussehen nach Belieben verändern kannst“, sprach das Wesen triumphierend. Von Natur aus neugierig und offen willigte ich ein. Was blieb mir auch anderes übrig? Betätigte ein paar Regler hier, drückte ein paar Knöpfe da und drehte wie ein Irrer an der kleinen Kurbel. „Oh, hoppla, abgebrochen…“ Als ich dann alles nach meinen speziellen Wünschen eingestellt hatte, meint ihr bestimmt ich wäre sofort wie ein ungezähmter Tiger auf sie raufgesprungen. Natürlich wieder mal ganz falsch.

In einer Ecke des Raumes hatte ich nämlich einen Bier- und Knabberzeugautomaten entdeckt und zum Glück noch ein paar Euronen in der Tasche. Man, hatte das ganze Knöpfchen drehen mich durstig gemacht. Jetzt erst mal ne‘ kühle Molle zischen und ein paar Flips flippen. Ach wie der goldene Gerstensaft meine ausgetrocknete Kehle erfrischte. Vor Wonne schossen mir Tränen in die Augen. So präpariert und vorbereitet zückte ich nun mein Smartphone, blätterte das Kamasutra von vorne nach hinten, von hinten nach vorne durch. Puh, schon beim Anblick der komplizierten Stellungen kam ich ganz schön ins Schwitzen. „Ruhige Kugel“ Aha! Supernova! Uiuiuih!“ Keck fragte ich: „Können wir das Ganze nicht verschieben?“ „Willst du mich verarschen? Erst schraubst du da stundenlang an den verdammten Reglern rum das mir schon ganz schwindlig ist, dann willst du unbedingt noch ne Pilsette schlürfen und jetzt willste kneifen?“ Erwiderte das Wesen sichtlich ärgerlich. Das konnte ich natürlich so nicht im Raum stehen lassen. Nahm Anlauf, riss mir noch im Flug mit einem geschickten Manöver das T-Shirt vom Leib und sprang hinein ins Vergnügen.

Ich erwachte zuhause aus völliger Dunkelheit, das Blut in meinen Venen fühlte sich an wie flüssiger Stahl, ich war noch völlig benommen vom Rausch der letzten exzessiven Nacht und musste mich ernsthaft anstrengen, mit meinen Sinnen wieder zu mir zu kommen. Endlich raffte ich mich auf und stolperte zum Kühlschrank. Als der Fruchtjoghurt mich mit einer „Guten Morgen Sonnenschein“-Coverversion von Nana Mouskouri begrüßte, riss mir der Geduldsfaden. Geh ich halt bei McDonalds Frühstücken.

Sex in der Beziehung

2 Apr

Sex in einer Beziehung ist wie eine Currywurstpizza: Anfangs scheint es eine gute Idee zu sein. Dann merkt man schnell, es bedeutet viel Pfriemelei, riecht streng und bereitet erst Vergnügen wenn man sich daran gewöhnt hat. Freundinnen sind sexuelle Raubtiere. Eben wollte man noch friedlich vorm heimischen Fernseher abhängen, schon liegt man wehrlos und mit Tränen in den Augen auf dem Boden und wird hemmungslos durchgeschnackselt. In den modernen Medien wird  vorgegeben Frauen würden, wenn es um Sex geht, häufig Gründe wie Kopfschmerzen vorgeben – aus eigener Erfahrung muss ich feststellen: Dem ist nicht so.

Nämlich kaum in einer Beziehung muss man sich Tag für Tag wie ein billiges Stück Fleisch „durchbraten“ lassen. Wer kennt das nicht? Man ist  gerade dabei sich eine leckere Wurststulle zu schmieren – will herzhaft abbeißen, schon hat man eine gierige Zunge im Hals.  Oder man kommt beispielsweise früh morgens um 11 Uhr verkatert nach Hause, möchte sich bevor man zur Arbeit geht noch ein Stündchen aufs Ohr legen und kaum sind die Augen geschlossen, wird gnadenlos getrietzt: „Bitte, bitte, nur einmal!“. Dann ist zum Glück irgendwann endlich Wochenende und man sagt, während man es sich auf der Couch bequem macht laut zu sich selbst: „Endlich Ruhe!“ Um das entspannte Wochenende einzuleiten ist man schon fleißig Frühshoppen gewesen, die Biere stehen kalt, in fünf Minuten wird die Bundesliga angepfiffen. Doch dann, es ist zum Haare ausreißen, klingelt es an der Haustür. Und natürlich stehen nicht die zum „Herrenabend“ eingeladenen Heinz, Hubert und Carl vor der Tür, sondern die Freundin im  Negligé mit zwei ihrer heißesten Bekannten zur Samstagsorgie. Als Single kann man sich  nicht im Entferntesten vorstellen, was man da alles durchmachen muss.

Immer nur Rein-Raus, Drunter-Drüber, Durchnageln, Wegdübeln, Durchrummsen, Abköppeln? Wo bleibt denn da die Romantik? Wieso denn immer gleich in die Kiste und nicht erst ein romantischer Strandspaziergang bei Sonnenuntergang? Eine liebevoll zubereitetes Abendessen oder eine aufreizende Partie Schach vorm mit entspannender Musik begleiteten Liebesakt?

Ich als erfahrener Romantiker zumindest hoffe, dass sich da an der “Denke” unserer Frauen noch was ändert.

Dicke Eier

29 Mär
Osterferien mit Thomas Cook

Valentinstag – Schenken ohne Bedenken

13 Feb

Unverhofft, ja mit gnadenloser Härte schlägt er jedes Jahr zu – der Valentinstag. Selbst gestandenen Männern steht dieser Tage der kalte Angstschweiß auf der Stirn, von Minute zu Minute steigt die Nervosität. Mit zittrigen Händen werden Grußkartenstapel durchforstet. An den Grabbeltischen bei Woolworth herrscht reges Treiben. Alles nur aus einem Grund: Schnell noch ein passendes Geschenk für den Valentinstag finden. Der aufmerksame Beobachter blickt vielerorts in ratlose Gesichter. Ratlose Gesichter die fragen wollen: „Mochte Sie nun Tulpen lieber oder Rosen?“, „Isst sie gerne Pralinen oder wollte sie doch schon wieder abnehmen?“ oder auch „Was zur Hölle soll dieser abgefuckte Scheiß!?“

Gut, wer sich für solche Vorkommnisse gewappnet hat. Mit modernster Datenverarbeitungstechnik erstellt sich der versierte Frauenversteher komplexe Listen mit den Eckdaten seiner Bekanntschaften, um die Verwechslungsgefahr drastisch zu minimieren. Vorbei sind dann die Zeiten in denen man siegesgewiss die falsche Schokoladensorte überreicht, oder gar die geschenkten Dessous etwas zu knapp kalkuliert hat.

Hinweis: Die Argumentation „Ich hatte dich irgendwie dünner in Erinnerung…“ ist für Frauen merkwürdigerweise meist nicht schlüssig.

Klar werden einige jetzt sagen: „Das ist doch irgendwie total unsensibel, geschmacklos und gar nicht liebevoll.“ Dies ist sicherlich nicht völlig von der Hand zu weisen.  Man sorgt aber zum Beispiel dafür, dass der Delphin-Dildo gleich bei Marie landet und nicht noch die Runde über Cindy-Elisabeth macht. Man folglich beim Belohnungssex gleich richtig zur Sache kommt und keine Zeit mit ineffizienten Stellungen vertrödelt. Schlussendlich also durch die Zeitersparnis wirklich Gelegenheit bekommt, alle Bekanntschaften am Valentinstag völlig glücklich zu machen. Und mehr, ganz ehrlich liebe Frauen, wollt ihr doch auch gar nicht!

Mein Date aus der Platte

31 Jan

Wenn man sich ihren rosa Lippenstift wegdachte, sah sie eigentlich gar nicht so schlecht aus, bemerkte ich mit einem Seitenblick. Blinzelte noch zweimal kurz, rollte mich nach links aus dem Bett und ertastete mit meinen Füßchen einen flauschig weichen Teppich. „Naja, immerhin kein Nagelbrett, wie letztens bei dieser Sadomaso-Tussi“ dachte ich bei mir und fühlte mich im Schein der ersten Sonnenstrahlen zum Badezimmer vor.

Die Blase drückte schon, sportlich hechtete ich über die Couch, stieß mir beim abrollen den großen Zeh an einer Paulo Coelho-Büste und humpelte angeschlagen ins Badezimmer. „Was ist denn hier los?“ stammelte ich entrückt. Meine Morgenlatte machte spontan die Biege, Blut schoss mir in den Kopf – ein ungewohntes Gefühl. Im Bad waren Waschmaschine, Fußboden und Toilette mit einem einheitlichen rosa Plüschstoff bezogen. Es  fehlte bloß noch eine Diddl-Maus auf dem Spülkasten!

Schon auf den wenigen Metern zum Bad hatte ich feststellen müssen: „Diese Frau war in jedem Fall ausgesprochen ‚plüschig‘.“ Auf dem Sofa hatte ich unzählige Kissen in allen erdenklichen Farben und Formen im Farbton rot bis tendenziell lila festgestellt. An den Wänden klebten Wandtattoos mit Herzchen, sowie dazugehörigen Sprüchen wie: „Liebe ist… das einzige was sich verdoppelt wenn man es teilt“ oder „Liebe ist… beim aufwachen festzustellen dass es kein Traum war.“  Yeah! Das war meine Chance! Haha! Alles gar nicht echt! Alles nur geträumt! Eilig kniff ich mir kräftig in den Unterarm. Es traf mich wie ein Schlag. Fuck! Alles echt!

Was konnte einen Menschen dazu veranlassen, seine Wohnung derart zu „verplüschen“ Gehörte meine neueste Eroberung gar zu einer finsteren Sekte, welche Nachts im Wald Plüschtiere gnadenlos schlachtete? Sich aus den leeren Häuten Kleider nähte? Sich morgens fermentierte Plüschtierteile statt Teebeutel ins Wasser tunkte? Schockiert, verstört und irritiert durch meine eigenen Gedanken hielt ich inne.

Das konnte ich auf gar keinen Fall weiterhin zulassen. Vergessen war mein Harndrang. Ich schnappte mir den nächstbesten Plüschbären (gut, dass es keine Diddl-Maus war) und grölte: „Aaaattaackkeee! Auf Sie mit Gebrüll!“ Ein Trommelfeuerwerk des Plüsches prasselte auf meine Nachtbekanntschaft ein und schon hatte ich sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Plötzlich erhob sich eine Stimme hinter mir: „Wat’n hier los? Biste noch ganz knusper? Und wat machst‘n überhaupt mit meiner Tochter?“ Ich fuhr herum. „Öööhm… jo!“ Ich war verdutzt, das war jetzt ja blöd, so ertappt vom Vater der Plüschbraut. Zum Glück hatte ich letztens erst ein Seminar “Positive-Thinking” besucht und erinnerte mich noch sehr gut an das intensiv geführte Nachgespräch mit meiner Sitznachbarin. Und so machte ich mir Mut, es war ja immerhin nicht ihr Freund richtig?

Ich fand meine Sprache wieder: „Schönen juten Tach junger Mann! Schmand der Name, Holger Schmand, ick bin in der Textilreinigungsbronche tätich, und ihre werte Tochter bat mich letzte Nacht inständig, da auf einen Fleck mal janz…äh..besonders drauf zuschauen. Da musste ich ganz schön rubbeln… Sie verstehen?“ „Ääääh… hallo?“, erhob sich nun eine dumpfe weibliche Stimme aus den noch immer aufgetürmten Plüschutensilien. Jetzt aber dalli: „Werter Herr ick muss dann ooch mal los…Ist ja ooch schon Sonntag. Tüdelü, man sieht sich.“ Und ich verschwand in den grauen dunklen Häuserschluchten von Marzahn-Hellersdorf…

Vom Plattenteller in die Kiste

11 Jul

„Zucker im Kaffee? Und Zitrone oder Sahne in den Tee?“  „Oh, bitte gerne danke“ die junge Frau, adrett, brünett und vollbusig (in alphabetischer Reihenfolge) war verzückt. „So einen galanten Charmeur hab ick ja noch nie jekannt“ berlinerte es aus ihr heraus, „beinahe, Burschi, beinhahe bin ich schon von „Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt.“   „Tjaha!“ antwortete ich und warf vor lauter Erregung eine neue Platte in den Toaster und eine Brotscheibe  in den CD-Spieler.

Keck strich sie sich eine Strähne ihrer wilden Mähne  aus dem Gesicht und sagte vergnügt: „Bisher ja allet janz nett hier, aber ich hab ja ooch noch andere Bedürfnisse…“ „Ahja?“ „Jepp!“ Ihr draller erotisierender Körper wandte sich mir zu, ihre Lippen gaben einen leidenschaftlichen Kuss frei.  In Sekunden war ich hard as a rock.  Ihre Hand glitt abwärts, “nicht so schnell!” ich zog die Hand weg. “Can’t touch this!” “Denn, das ist mein Teil!”  Als wir uns schließlich der ohnehin schon spärlichen Kleidung entledigten, liess ich ganz Gentleman natürlich meinen Hut auf.

Rasant stieg der Puls, eng umschlungen die Leiber, sich steigernde Lust, nur ein kühles Bier, Bier, Bier  fehlte wieder mal. Ob dieses tragischen Umstandes kurz melancholisch geworden, überwand ich diese Stimmungsphase schnell und war wieder voll dabei. „Jesus, Hallelujatrallala!“ Stieß es aus ihr hervor. „Um Gottes Willen, sach bloß du bist ooch noch katholisch?“ „Ne, ne, Quatsch, komm mal ausm Quark Junge! Ich will ficken!“  Ich ließ mich nicht zweimal bitten und gab es der Pussy richtig.

Plötzlich brach sich ein Geistesblitz freie Bahn. Ich schrie heraus: „I am still standing!“  Meine Liebesgespielin sah mich einen kurzen Moment verdutzt an und erwiderte: „Yeah, Yeah, Yeah!“ Wir waren im Fuckt äh Takt. Wie in einem gut inszenierten Thriller stieg die Spannung. Ein Blick in ihre Augen. Ich fühlte mich wie Fats Domino, damals auf dem Blueberry Hill.

Kreuzberger Nächte  sind ja bekanntlich lang, aber auch diese ging irgendwann zu Ende. “Guten Morgen Sonnenschein!” lächelte meine neueste Errungenschaft auf mich herab. So arglistig und brutal aus meinem Träumen (Bier) gerissen murmelte ich nur: „Fick dich fett! Die Nacht war geil Püppi, doch ich hab leider deinen Namen vergessen.

Die Bäckereifachverkäuferin, Paulo und ich

15 Mär

„Alles ist miteinander verbunden, und hat einen Sinn. Obwohl dieser Sinn meist verborgen bleibt, wissen wir, dass wir unserer wahren Mission auf Erden nah sind, wenn unser Tun von der Energie der Begeisterung durchdrungen ist.“ – Paulo Coelho, Der Zahir

Es war Sonntag. Ich war früh aufgestanden, 16:30 Uhr Ortszeit. Kurzer Blick in den Kühlschrank. Oh ne, doch lieber nicht. Der Broccoli liegt da wohl schon etwas länger, die Milch hatte auch schon glücklichere Tage gesehen. Lieber was vom Bäcker schmeckern. Ich schlendere also aufm Gehsteig dahin, die Zwitscher vögeln äh ach ne andersrum: Vögel zwitschern. Und ich mittendrin, kühn springe ich von der Bordsteinkante, gehe über die Reichenberger Straße und kann nur knapp einem Rüpel-Senior mit Rollator ausweichen. Beinahe hätte er mich tangiert, wenn nicht gar touchiert. So bin ich aber heil über die Reichenberger und stehe jetzt vor der Bäckerei. Beschwingt von der frühlingshaften Stimmung trete ich ein und gebe mir innen selbst die Klinke in die Hand. Hoppla, war wohl nicht ganz sauber verschraubt. Kreuzberger Wertarbeit sieht in jedem Fall anders aus.

Jede Bäckerei riecht ja bekanntlich anders. Der Ditsch im U-Bahnhof riecht zum Beispiel immer nach öligen Pizzaecken. Und bei Le Crobag duftet es nach zuckrigen Hörnchen im feinen Backfettmantel. Hier roch es anders! Ich bin nicht Paulo Coelho, aber an dieser Stelle muss ich poetisch werden:

Die Rosine im Kuchenteig meines Lebens ist diese Backstube. Ihr Duft erinnert mich an früher. An die Zeit, als ich bei meiner Großmutter auf der Kaminbank saß, ihr beim wohltuenden Kneten des warmen Brotteiges zusah und innerlich voll von jenem frohlockenden Gefühl tief erfüllter Geborgenheit und mütterlicher Liebe war.

Und wie ich da noch so stand und mich wie Paulo Coelho fühlte, vielleicht sogar ein bisschen wie er fühlte, falls er was fühlt so schriftstellermäßig, erfüllte sich die Luft mit einer Frage, die plötzlich und unverhofft im Raum stand: „Darfs wat sein junger Mann oder kieken se hier nur in die Luft?“

Ich senkte meinen Blick und antwortete: „Guten Morgen schöne Frau, das ist aber eine hübsche Auslage die Sie da haben. Die würde sich in einigen Filmen ganz famos…aber das ist eine andere Geschichte…“ Ich stockte: „Vielleicht nehme ich doch erst mal einen Kaffee.“  Früher war man mit einem Kaffee ja auf der sicheren Seite. Heute hingegen bietet die Bestellung eines Kaffees einen willkommenen Anlass für das niedere Bäckereipersonal einen mit hinterlistigen Nachfragen und Offerten zu triezen. „Tall Latte, Grande Latte oder Supreme Grande Latte?“, fragte sie kess. Ich blickte an mir herunter. „Naja, Grande ist die schon oder?“ Die Bäckereifachverkäuferin mit ihrem krustenbrotbraunem Haar und ihren Augen, die blauen Zuckerperlen glichen, ging nicht auf meine Frage ein. Professionell fuhr sie fort: „ToGo oder gleich hier?“ Ich war perplex. Normalerweise hieß es doch: Zu mir oder zu dir? Und was jetzt mit Togo? Ist das nicht dieses afrikanische Land wo Adebayor, der bekannte Stürmer von Real Madrid herkommt? Aber was hat der jetzt in meinem Kaffee zu suchen? Fragen über Fragen und die Bäckereifachverkäuferin fügte ungeduldig noch eine hinzu: „Also wat isn nu? Andere wollen auch noch…“ Ich nickte: „Also gut, ich hätte gerne erst eine Supreme Grande Latte und dann zum Abschluss einen schönen Spritzkuchen.“

„Tut mir Leid Süßer, der Spritzkuchen ist leider gerade aus. Man könnte auch sagen ausgespritzt, aber das wäre wohl etwas zu salopp, würde nicht in diese Umgebung passen. Aber in einer halben Stunde habe ich Feierabend, dann könnte ich dir einen fertig machen. Wäre das was für dich, Paulo?“

„Normalerweise esse ich ja so spät keine Süßigkeiten mehr, aber für dich kann ich ja mal ´ne Ausnahme machen, wa!“

Fuck like an elephant?

3 Mär

Brauchen keinen Elefantenstring: Dickhäuter beim ungeschützten Verkehr

Seit vielen Jahren gibt es sie, jeder kennt sie, aber keiner scheint sie zu tragen oder überhaupt jemanden zu kennen der einen besitzt. Die Rede ist von Elefantenstrings. Jene Dessous, die vorne statt schnödem Karomuster einen echten Rüssel haben. Dieses kleine Etwas sieht so skurril aus, dass die langjährige Präsenz im mäßig sortierten Einzelhandel schon erstaunlich ist.

Was sind das für Männer, die ihr bestes Stück in einen Stoffrüssel schieben? Stammkunden? Fetischisten? Revolutionäre Anarchisten?

Erfahrene Verschwörungstheoretiker haben für die Existenz des Elefantenstrings  eine ganz simple Erklärung:

In Wahrheit existiert nämlich gar keine richtige Elefantenstringträger-Gemeinde. Alles ist nur eine Kampagne (Alice Schwarzer, CDU, Feinkost Käfer?) um die Würde des Mannes zu untergraben.  Auf kurz oder lang wollen diese ominös-dubiosen Kräfte die Dominanz der Frau inner- und außerhalb der Gesellschaft etablieren. Am Ende soll es nur noch eine Möglichkeit für die Männer geben, sich intim zu bekleiden: Den Elefantenstring!

Mal ehrlich: Welche Frau nimmt einen noch ernst, wenn man mit diesem Dschungelschmuck vor ihr den Lambada tanzt (von diesem Tanz als Balzinstrument ist generell eher abzuraten)?

Man stelle sich vor, wie schnell man sich an so ein Wäschestück gewöhnt hat. Und dann braucht man nicht nur einen Rüsselstring für den ganz besonderen Abend mit dem oder der Liebsten sondern gleich eine ganze Kollektion: Von Montag bis Sonntag, von Zebrastreifen bis Tigerfell.

EXKLUSIV! Was wirklich niemand wissen will: Wie hoch ist der durchschnittliche Verschleiss eines Hodenrüsselträgers überhaupt?

Abschließend bleibt zu sagen: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das sollte auch für Männer gelten. Also welche Terrormaschinerie auch immer hinter der Produktion dieser diffamierenden Kleidungsstücke steckt. Bleibt wachsam, verschließt Frauen und Kinder und bleibt untenrum sauber. Bis auf Weiteres.

 

Mein Date mit… der Brokerin

23 Jan


Nach meinem letzten Date mit der Rennfahrerin ging es selbstverständlich sofort steil in die nächste Kurve. Objekt der Begierde diesmal: Eine junge aufstrebende Brokerin.

Nachdem ich die Quickfacts über die Zukünftige  in meiner Dating-Community ausgecheckt hatte, war ich  mir sofort sicher gewesen: Hier sollte ich “overweighten” und dranbleiben, dann würde es ein ordentliches Kurs-Gewinn-Verhältnis geben. Also erstmal ein Börsentermingeschäft mit ihr vereinbart und mich in lockerer Umgebung abseits des Parketts verabredet. Für den Abend hatte ich einen Stopp bei 50 Euro gesetzt, mir aber noch eine Option auf weitere 25 Euro offengehalten.

Während ich mutig in White Russian (Kurswert 5,60 €) investierte und auf ein rasches Anziehen des Marktes hoffte, schien meine Partnerin Insiderwissen zu besitzen: Sie setzte einen Hebel bei 24 an und stockte ihr Depot mit Rotwein und einem Sex on the Beach auf (Schirmchen inklusive). Während der Kurs meines vollwertigen Getränks in Form der Füllhöhe rasant absank, schien sich die Investition meines Gegenübers schon bezahlt gemacht zu haben. Mir reichte es nun, ich wollte auch erfolgreich am Markt partizipieren und setzte alles ein: Bier, Vodka, Jägermeister, Vollmilch. Spread your value, hieß es doch schon bei Warren Buffett. Was sollte bei diesem erfolgsversprechendem Portfolio schon schiefgehen…?

Und wie ich Recht behielt, die Prozente schossen in die Höhe wie Pusteblumen im schönstem Julisommer, der Blutdruck stieg von Minute zu Minute, mein Puls raste. Ich geriet in Ekstase. Meine Begleitung agierte defensiver, ruhig und bedächtig beobachtete sie das Geschehen. Doch in ihren Augen sah ich das lodernde Feuer. Wie eine Raubkatze registrierte sie jede Bewegung – jederzeit bereit tödlich zuzuschlagen, wenn sie das richtige Opfer gefunden hatte.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass die feindliche Übernahme bereits im vollen Gange war. Ich hüpfte im Geiste noch fröhlich vergnügt und nichtsahnend über die blühenden Wiesen der Finanzlandschaft, als ich plötzlich wie vom Blitz getroffen inne hielt. Klammheimlich und schleichend hatte sich die Broker-Mietze von gegenüber in einen wilden Tiger verwandelt. Rasant griff sie meine Marktmacht an. Jetzt hieß es halten und auf den Peak warten. Dann war es so weit: Sie war nicht aufzuhalten, schluckte alles.

Ich musste einsehen, dass ich gegen eine derart versiert agierende Traderin keine Chance hatte und schloss noch vor Handelsende  einen guten Deal. Daytrading at its best!

Nun hielt jeder die Hälfte der gemeinsamen Anteile an White Russian und Sex on the Beach, war gleichberechtigter Gesellschafter und hatte in kurzer Zeit auch einige Prozente bzw. Promille gut gemacht. Als sie mich später am Abend kess fragte “Zu mir oder zu dir?”, konnte die Antwort nur lauten: “Egal, ist in jedem Fall eine Win-Win-Situation!”

In Love with Elena?

16 Jan

Gestern erreichte mich ein  Hilferuf aus Russland:

“Hallo, Mein Name ist Elena, ich bin 34 Jahre alt und ich schreibe Ihnen diesen Brief aus einer Provinz in Russland. Ich arbeite in der Stadtbibliothek und nach meinem Job darf ich Computer benutzen, wenn es mo”glich. Ich fand einige Adressen im Internet, und ich beschloss, diesen Brief an Sie schreiben. Ich habe eine Tochter 9 Jahre alt, verlie? ihr Vater uns, und wir leben mit meiner Mutter.Vor ein paar Monaten meine Mutter verloren Job wegen der tiefen Krise in unserer Region und jetzt unsere Situation ist hoffnungslos. Gas und Strom ist sehr teuer, und wir ko”nnen uns nicht leisten ihnen die Wa”rme unserer Heimat nicht mehr. Das Wetter wird ka”lter jeden Tag in unserer Region. Wir wissen nicht, was zu tun und wir sind sehr a”ngstlich. Der einzig mo”gliche Weg zu uns nach Hause Wa”rme wird an einen tragbaren Ofen, die durch das Verbrennen von Holz heizt verwenden.

Wir haben Holz Einsparungen in unserem Schuppen und dieser Herd kann unser Haus Wa”rme den ganzen Winter ohne Kosten fu”r uns. Leider ko”nnen wir nicht kaufen diesen Ofen in unserem lokalen Markt da ist ist sehr teuer – der Preis ist 8450 Rubel (Equival. von  196 €) Wenn Sie irgendwelche alten tragbaren Ofen, der mit brennendem Holz arbeiten, und wenn Sie nicht mehr verwenden sie haben, wir werden sehr dankbar sein, wenn Sie es an uns spenden kann und Transport des Ofens an uns liegt (wir wohnen 200 km Moskau) Diese O”fen unterschiedlich sind, sind sie meist aus Gusseisen und wiegen etwa 100 Kilogramm.

Ich wu”nsche Ihnen alles Gute im neuen Jahr 2011. Ich wu”nsche, dass das neue Jahr bringt Ihnen Glu”ck und Gesundheit!

Elena.

P.S. Bitte antworten Sie in der englischen Sprache, da ich es studiert an der Schule und ich werde in der Lage, Sie verstehen. Ich fu”r einen Fehler in diesem Brief entschuldigen, u”bersetzte ich es ins Deutsche mit Einsatz von Computer-U”bersetzer.”

Die arme Elena friert mit Ihrer Tochter im kalten Russland bitterlich und hofft auf meine wärmende Unterstützung. Doch ist da nicht noch mehr drin? Wie ich aus der elektronischen Mitteilung erfahre, ist Elena alleinstehend und hat Holz vor der Hütte (im Schuppen).   Eins steht fest, wenn ich ihr jetzt nicht helfe, könnte der Ofen im wahrsten Sinne des Wortes schon wieder aus sein. Fraglich ist, wie soll ich einen “tragbaren Ofen” der 100 Kilogramm wiegt so schnell nach Russland bekommen? Andererseits wer sagt mir das  ich Elena trauen kann? Aus diesem Grund hoffe ich auf Eure Unterstützung und habe folgende Abstimmung ins Leben gerufen, damit Ihr an meiner Entscheidungsfindung teilnehmen könnt, es eilt, denn es wird jeden Tag kälter…

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